Schau auf’s Land – unsere Erfahrungen

Als wir von unserem geliebten „Hängi“, dem Zeltanhänger Camplet Concorde auf den MerzedesVan umgestiegen sind und das Gefährt mit einer autarken Solaranlage ausgestattet haben, ergab sich die Chance, andere, neue Wege beim Camping zu gehen. Neben der immer noch gerne angefahrenen Campingplätze sind nun auch Stellplätze und Camping am Bauernhof mit den verschiedenen österreichischen Ablegern des „France Passion“ Konzepts möglich.

Was ist France Passion, Schau aufs Land, Bauernleben oder co?

Einfach erklärt: Man kauft sich eine Mitgliedschaft (meist für ein Jahr) und erhält im Gegenzug den Zugang zu Kontaktdaten in Form eines Buches und/oder einer App. Hier findet man verschiedene Bauernhöfe, Weingüter oder Gastwirte, die bereit sind, den (vorwiegend autarken) Van für eine Nacht aufzunehmen.

Der Aufenthalt ist kostenlos, für Zusatzdienstleistungen kann, aber eine Gebühr verrechnet werden. Es wird quasi erwartet, dass man – wenn vorhanden – im Hofladen einkauft oder sich mit einer Spende bedankt.

Manche Höfe haben auch einen Mindesteinkauf oder eine Mindestspende (beispielsweise 20,– € pro Nacht) als Voraussetzung in den Spielregeln verankert. Man fragt kurzfristig an und fährt spontan auf den Hof. Ist nichts frei, sucht man weiter. Bisher haben wir bei allen Anfragen eine schnelle und freundlich Zusage bekommen.

Neben den beiden österreichischen Plattformen gibt es in vielen Ländern Nachahmer der Idee von „France Passion“. In Deutschland gibt es für Camping-Enthusiasten die Optionen Landvergnügen und WinzerAtlas. In Großbritannien wird das Angebot „Brit Stops“ genannt. Für Reisende in der Schweiz ist Swiss Terroir verfügbar. In Spanien gibt es die Möglichkeit mit España Discovery zu campen, während Martinique Camping-Car auf Martinique eine gute Option ist. Für Reisende in den USA und Kanada bietet Harvest Hosts eine Möglichkeit. In Australien gibt es die Möglichkeit mit Farmgate Mate zu campen, in Italien stehen In Camper con Gusto (in der Emilia-Region) und Agricamper Italia zur Verfügung. Schwedische Campingplätze bieten Swede Stops an. Pintrip ist eine Option für Camping in Dänemark und Terego ist eine Möglichkeit in Kanada. Für Reisende in Neuseeland gibt es Okay2stay. Neben Österreich gibt es „Schau aufs Land“ nun auch in Slowenien.

Wieso nutzen wir „Schau aufs Land“?

Die Entscheidung, dieses Jahr auf das Angebot von Schau aufs Land zu setzten, begründet sich einerseits durch die durchdachte App, andererseits auch dem Buchungszeitraum. Bei der Konkurrenz ist die Mitgliedschaft immer von März bis März ein Jahr gültig, was natürlich dem Druck des Buches geschuldet ist. Bei Schau aufs Land gibt es kein Buch, die Mitgliedschaft ist ab dem Kaufzeitraum sofort 365 Tage lang gültig.

Wieso die Webseite allerdings aktuell meint, Musik beim Besuch abzuspielen, erschließt sich uns nicht. Tipp für Chrome Benutzer: Rechtsklick auf den Tab und „Webseite stummschalten“. Firefox schaltet erfreulicherweise die Seite automatisch stumm.

Update: Die Musik beim Betreten der Webseite ist nun scheinbar verschwunden.

Unsere bisherigen Erfahrungen

Ohne Details preiszugeben, versuchen wir an dieser Stelle ein paar Eindrücke und Erfahrungen unserer ersten Reisen mit Schau aufs Land mit Euch zu teilen.

Die Auswahl

Die App von Schau aufs Land ist sehr durchdacht. Anhand einer Karte kann man die verschiedenen Gastgeber suchen. Es werden auch zahlreiche Filterfunktionen angeboten: nicht autark, nutzbar mit Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt, Zusatzangebote wie Hunde erlaubt, Hofladen vorhanden oder Bewirtung möglich oder auch Serviceangebote wie Toilettenzugang, Dusche oder Strom. Diese können einfach aktiviert werden, um passende Unterkünfte zu finden. Dies ist übrigens am Desktop und in der App möglich. Hat man eine Auswahl getroffen, so klickt man auf den Hof, der einem zusagt und erhält sofort die wichtigsten Infos. Was wird geboten, wer ist willkommen, wie viele Plätze gibt es, wie groß darf das Womo sein oder sind Hunde erlaubt? Außerdem wird man über das Angebot informiert, sieht einige Fotos – teilweise auch Userfotos, Rezessionen. Direkt aus der App heraus kann man den Hof nun bei Interesse kontaktieren.

Die Anfrage

Man wählt, ob man heute, morgen oder übermorgen anreisen möchte, klickt auf das Datum und hat verschiedene Kontaktmöglichkeiten: Meist kann man zwischen E-Mail, Telefon, SMS oder WhatsApp wählen. Am Handy wird man beim Klick auf die präferierte Option direkt in die App weitergeleitet. Wir haben uns bei allen Anfragen für die Option WhatsApp entschiedenen, meist dauerte es einige Stunden bis die Antwort kam. Jedes Mal freundlich, nett und positiv, bisher – im Frühjahr 2023 – auch jedes Mal eine Zusage.

Unsere Erfahrungen auf den Höfen

Die erste Reise ging auf einen Alpakahof. Wir wurden herzlich empfangen, auf einem großen, geschotterten Platz direkt am Alpaka-Gehege konnten wir unseren Van abstellen. Strom und WC durften wir nutzen. Der große Laden mit Naturprodukten bot die Gelegenheit, einiges für zu Hause mitzunehmen. Leider meinte es das Wetter nicht allzu gut mit uns, weshalb wir das Angebot bei der Versorgung der lieben Tiere nicht annehmen konnten.

Der große Vorteil der App ist des Weiteren, dass man direkt von hier aus die Navigation zum Hof starten kann. Eine Falscheingabe der Adresse ist somit nicht möglich. Mit dieser Funktion steuerten wir im April bereist den zweiten Hof an, diesmal ein Weingut bzw. eine Destillerie. Wir dürfen direkt neben der Obstplantage im Grünen stehen. Nach zwei Plätzen ein kleiner Tipp: Habt genug Auffahrkeile mit, teilweise sind die Plätze recht uneben!

Bei perfektem Frühlingswetter erkunden wir die Region mit den Fahrrädern, haben nette Gespräche und kaufen köstliche Weine, Jause, Essig und Hochprozentiges im Hofladen. Dieser ist enorm groß und umfangreich. Mittels e-card erhält man wegen des Jugendschutzes Zugang. Zahlreiche Kostproben werden uns angeboten, ob Wein oder Destilliertes. Es gibt Milchprodukte, Fleischwaren, nette Geschenkartikel, Nudeln, Gebäck, Eingemachtes, Weine, Schnäpse und vieles mehr aus eigener Erzeugung und von Bauern aus der Region. Bezahlt wir an einer Selbstbedienungskasse. Wir sind begeistert vom Angebot.

Um Pfingsten nehmen wir in der Nähe von Wolfsberg mit einem Hof Kontakt auf, um hier eine Nacht zu verbringen. Auch hier ist der Kontakt nett, wir bekommen per WhatsApp genaue Anweisungen, wo wir stehen dürfen. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen nach oben, als wir die Adresse erreichen, finden wir eine blühende Wiese und wie beschrieben einen Verkaufscontainer neben einer Schotterstraße, auf der wir parken dürfen vor. Im Container gibt es einige Kleinigkeiten wir Fertigspeisen im Glas, Frankfurterwürstel, Brennnesselsamen oder Sirupe zu kaufen. Hier ist die Natur wirklich weitgehendst unberührt. Leider bläst vom ersten Moment der Wind so kräftig und kalt, das Sitzen vor dem Van oder auch das Spazierengehen ist leider nur in Winterjacke möglich. Wir entscheiden nach einigen Minuten talwärts einen Campingplatz zu suchen, denn unten ist Frühsommer.

Über Fronleichnam packt uns wieder das Fernweh und wir machen uns auf, das Nachbarbundesland zu erkunden. Kurzfristig fragen wir bei einem kleinen Nebenerwerbshof in Würflach an und dürfen am nächsten Tag auch schon kommen. Die Steffi empfängt uns freundlich, wir dürfen um hinteren Bereich des Hofes unseren Bus abstellen. Wir erfahren viel über die Zucht von Schwarznasenschafen und bekommen zahlreiche Fragen beantwortet. Vielen Dank für den netten Nachmittag. Wir kaufen BIO Produkte wie Kirschmarmelade, Weizenmehl und ganzes Korn zum Brotbacken zu Hause, einen herrlichen Birnensaft und köstliche Apfelchips finden ebenso den Weg in den Camper und dann in unsere Bäuche. Immer wieder kommen uns die freilaufenden Hühner samt Hahn „Petrus“ besuchen, auch Nachbars Kater „Billy“ besucht uns im Bus und möchte beim Essen ein bisschen zudringlich schnorren.

Am Abend machen wir einen Spaziergang durch die Johannesbachklamm, am nächsten Tag geht’s weiter zur Würflacher Wellnesswelt. Den ganzen Tag genießen wir mit zahlreichen Aufgüssen. Geplant war, den großzügigen Parkplatz zum Nächtigen zu nutzen. Da dieser jedoch sehr schief ist und wir Nachbarn im Bulli haben, welche offensichtlich gerne Musik hören, beschließen wir, die App zu öffnen und kontaktieren spontan ein nahegelegenes Gasthaus, welches uns sehr gerne am Parkplatz campen lässt. Herzlich empfängt uns der Wirt. Die Wirtsleute sind selbst passionierte Camper, bieten uns gerne auch Strom und die Toilette während der Öffnungszeiten an. Wir freuen uns nun auf ein köstliches Wiener Schnitzel mit Pommes. Das Angebot, das Geschirr des Gasthauses zu verwenden, um nicht abwaschen zu müssen, nehmen wir sehr gerne an. Satt und entspannt schlafen wir und treten die Weiterreise Richtung Wien an. Diesmal fahren wir den Reisemobilstellplatz in Wien an, denn das bewölkte Wetter hat unsere Batterie leer werden lassen, außerdem müssen wir mal Ver- und Entsorgen.

Das Abenteuer Schau aufs Land geht im Spätsommer weiter. Nachdem wir Niederösterreich durch das Mariazellerland erreichen, fragen wir bei einem Beerenhof mit 24 Stunden Hofladen an und bekommen innerhalb kürzester Zeit das OK, dass wir kommen dürfen. Die Anreise mittels Navi ist einfach, die Beschreibung in der App ist sehr genau, wir wissen sofort, wo unser Platzerl ist. Drei unterschiedlich lange Parkplätze, der längste mit 10 Metern Länge, stehen den Campern zur Verfügung. Wenn hier tatsächlich drei Camper stehen, könnte es eng werden. Eine saubere und modernen Toilette hinter einer Plumpsklotüre ist ebenfalls vorhanden und darf genutzt werden.

Die Familie begrüßt uns und wir haben nette Gespräche, wir erfahren einiges über den Hof, den neuen Hofladen und, dass wir die zweiten „Schau aufs Land Gäste“ sind, da man erst seit Kurzem auf der Plattform vertreten sei. Wir dürfen einen Tisch unter zwei alten Lindenbäumen mitbenutzen, man zeigt uns den privaten Zugang zur Erlauf und den Hofladen. Mit der e-card bekommt man Zugang, da auch hier alkoholische Getränke verkauft werden. Eine schöne Auswahl an Produkten wie Heidelbeeren, Getränken, Tiefkühlprodukten und vieles mehr vom Hof selbst und Bauern aus der Region können wir kaufen und uns damit für das Platzerl erkenntlich zeigen. Als ein Unwetter aufzieht, bekommen wir einen WhatsApp Nachricht und das Angebot, den Van unter ein Hallenvordach zu stellen – vielen Dank! Wir nehmen gerne an – zum Glück zieht das Unwetter vorbei.

Nachdem wir im Waldviertel und in der Sole Felsen Welt in Gmünd waren, ging unsere Herbstwoche leider schon wieder zu Ende. Bei spätsommerlichem Wetter wollten wir mit einem Besuch eines Hofes in Molln die Strecke teilen und lernten so einen tollen Bio-Bauernhof mit 30 Milchkühen, säßen Babykätzchen, Hendls und Laufenden kennen. Der 24 Stunden Hofladen hatte eine begrentze Auswahl an Produkten parat – wir kauften Nudeln, Milch aus dem Automaten, Kabanossi vom Kalb und Eier, alles in feiner BIO Qualität. Bei einem Spaziergang durch die nette Ortschaft haben wir beim örtlichen Laden noch Schwammerl gekauft und die Zutaten in eine herrliche Schwammerl-Paste verwandelt.

Die Bäuerin erzählte uns einiges über ihre BIO-Landwirtschaft und beantwortete uns einige Fragen zur Milchwirtschaft, zu Heu und Silofutter. Wirklich spannend.

Das Platzerl war zwischen der Kuhweide und dem Hühnerzaun, sehr ruhig und sonnig gelegen. Eine (bisher nicht ganz fertige) Toilette und eine Dusche am Hof darf genutzt werden, bei unserem Besuch war das Wasser noch kalt, trotzdem ein super Service. Wir haben einen entspannten Tag am Hof verbracht uns haben am Vormittag entspannt die Heimreise angetreten.

Letzte Aktualisierung am 25.02.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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